VI.4 Statement des Fördervereins Schul-Umwelt-Zentrum Mitte e.V. mit Beiträgen aus dem Netzwerk Grüne Lernorte

1. Der Förderverein SUZ und das Netz Grüne Lernorte

Der Förderverein Schul-Umwelt-Zentrum Mitte e.V. wurde 2007 gegründet und hat seinen Sitz in Berlin. Zweck des Vereins ist die Förderung von Bildung und Erziehung im Umweltbereich durch erfahrungs- und handlungsorientierte Methoden. Der Verein verfolgt das reformpädagogische Konzept und fördert ein Lernen mit allen Sinnen. Das Schul-Umwelt-Zentrum, an dessen Arbeit und Ausstrahlung der Verein im Besonderen unterstützen will, ist ein „Netz grüner Lernorte", in dem SchülerInnen, StudentInnen und Erwachsene lernen.

Der Förderverein führt regelmäßig Projekte im Bereich duales Lernen und engagiert sich in der Berufsorientierung speziell für die grüne Branche. Die Öffnung der Arbeit über den unmittelbaren Schulbereich hinaus für soziale, interkulturelle und vor allem auch internationale Projekte erweiterte in den letzten Jahren den Erfahrungsschatz und die Ausstrahlung des Vereins. Er ist Ansprechpartner sowohl für Schulen und Jugendträger, aber auch Stadtteilzentren, Sozialeinrichtungen, andere Umweltbildungsorganisationen und Kontaktpartner in Hochschulen geworden, wenn es um Fragen der Interessensbildung an der Schnittstelle von Schule und grünen Berufen geht.

Das Leonardo-Projekt war Anstoß für den Förderverein SUZ Mitte e.V., seine Netzwerkarbeit in Bezug auf Berufsorientierung und Nachwuchswerbung zu intensivieren. In Arbeitstreffen und Präsentationen mit den Stillen Partnern im Projekt, dem OSZ Peter-Lenne und der TU Berlin, Institut für Berufliche Bildung und Arbeitslehre, entstand im Verlauf des Projektes ein fokussierter Arbeitsaustausch, der auch Auswirkungen auf die praxisbezogene Arbeit mit Auszubildenden und Studierenden hatte. Als Ergebnis entstanden die Beiträge zur vorliegenden Broschüre sowie Vorhaben künftiger Zusammenarbeit.

Aus der internationalen Arbeit im Projekt nehmen die Teilnehmer des FV viele Anregungen vor allem aus den Exkursionen und Diskussionen in den Partnerländern mit. Die in diesem Zusammenhang geknüpften internationalen Kontakte werden weiterhin zu einem erfolgreichen Arbeiten beitragen – durch regen Austausch von Erfahrungen und Informationen im nun erweiterten Netzwerk.

Der Förderverein findet sich durch das Projekt bestätigt in seiner Betonung eines sinnlich erfahrbaren Lernens für alle Altersgruppen. Er versteht sich als Motivationsstifter für Interesse und Engagement im „grünen Bereich" nicht nur im Schulischen, sondern darüber hinaus im gesamten gesellschaftlichen Umfeld.

Das Projekt hat auch gezeigt, dass es nach wie vor schwierig ist, die in Jahrzehnten zementierten Barrieren zwischen allgemeiner und beruflicher Bildung zu überwinden – dies aus unserer Sicht jedoch gerade im Hinblick auf den Nachwuchsbedarf dringend vonnöten ist. Es gilt, in der alltäglichen Arbeit geduldig die passenden und offenen Gesprächspartner zu finden – im Interesse einer echten Dualität in Bildung und Ausbildung, die den Jugendlichen und der Zukunft der grünen Branche nutzt.

Verlinkung:
-> VI.4.0 SUZ-Die Gartenarbeitsschulen als Lernort

2. Beiträge des Förderverein SUZ MITTE e.V. und des Netzwerkes zu den einzelnen LEONARDO-Projektthemen

A. Duales Berufsbildungssystem

A1 Ausbildungsreife der Auszubildenden, Ausbildungsbereitschaft der Betriebe
Der Bedeutungsgehalt des Begriffes Ausbildungsreife unterliegt Veränderungen. Ursprünglich die zertifizierte Fähigkeit eines ausbildenden Betriebs bezeichnend, sind heute vor allem Kompetenzen der Jugendlichen gemeint. Doch Ausbildungsreife bleibt eine sich wandelnde Herausforderung.

Die Interessiertheit und auch Leistungsbereitschaft von SchülerInnen und Auszubildenden dürfen nicht unterschätzen werden. Die Generation, die jetzt vor ihrem Berufsleben steht, hatte mehr Sicherheit für ihr Aufwachsen als alle Generationen davor – und bringt nun einen neuen Anspruch mit: Leistung und Spaß, Familie und Karriere, Teamarbeit und persönliche Freiheit sollen vereinbar sein, Geldverdienen und sinnvolles Arbeiten nicht im Widerspruch zueinander stehen.

Die neu antretende Generation ist die erste, die durch Internet und social media geprägt ist und sich in flachen Hierarchien bewegt. Gewohnt, dass um ihre Aufmerksamkeit bei jedem Tastenklick gebuhlt wird, ist ihr Selbstbewusstsein ausgeprägt und wird gestützt vom Umstand, dass sich künftighin Betriebe um sie reißen werden.

Ein erneuter Wandel des Begriffs Ausbildungsreife deutet sich an. „Es wird aufgrund des künftigen Fachkräftemangels....zunehmend stärker auch auf die „Ausbildungsreife" der Betriebe ankommen...es bietet sich sogar die historische Chance, mit – quantitativ – abnehmenden Zahlen von Ausbildungskohorten....die jungen Menschen individueller und zielgenauer zu begleiten und zu unterstützen. Bezogen auf den Begriff „Ausbildungsreife" besteht in den folgenden Jahren also die Möglichkeit, hierzu kompakte und wirksame Konzepte zu entwickeln, die für die Praxis tauglich sind." (Zitat aus: Ausbildungsreife - Perspektiven eines kontrovers diskutierten Konstrukts, S. 77, hrsg. von Günter Ratschinski und Ariane Steuber. Springer Verl., 2012)

Die Ausbildungsbetriebe, geleitet von Menschen aus anderen Generationen, denen „soft skills" keine Selbstverständlichkeit zu Beginn ihrer Karriere waren, müssen sich stärker als bisher auch mit widersprüchlichen Potenzialen der Jugendlichen auseinandersetzen – etwa wenn Selbstbewusstsein und die Fähigkeiten, das gesetzte Anforderungsprofil zu erfüllen, auseinanderklaffen. Ist die Frage nach dem Sinn ihres Tuns für die jungen Menschen zentral, muss die Fähigkeit, die Jugendlichen mit interessanten Herausforderungen zu motivieren besonders ausgeprägt sein. Die Jugendlichen heute müssen sehr viel mehr Zeit in schulische und berufliche Bildung investieren als die Generationen zuvor – dies anzuerkennen und auch eine bewusste Work-Life-Balance bzw. Learn-Life-Balance anzustreben kann u.a. auch über die Gestaltung des Betriebsgeländes mitgesteuert werden.

Die Verantwortung, auch sogenannte schwächere SchülerInnen auszubilden und eher auf deren Entwicklungspotenzial zu schauen als auf ihren Ist-Stand, sollte stärker übernommen werden.

Den Jugendlichen ist dabei auch Bewusstsein und praktische Informationen zu vermitteln, dass sie mit Schwierigkeiten beim Übergang von der Schule in die Ausbildung nicht allein stehen werden. Defizite in fachlichen und sozialen Komponenten zu erkennen und entsprechende Unterstützung bereit zu stellen zählt zum mehr als bisher gefragten Engagement für Auszubildende.

Jugendliche sollten ihren Einstieg in die Ausbildung als Bestandteil ihrer Bildungsbiographie erleben können und über dessen Verlauf nach Maß ihrer weiterzuentwickelnden Kompetenzen selbst entscheiden. Sie müssen schrittweise auf einem Weg begleitet werden, der sie aus ihrer Objektposition heraus zu Subjekten ihres eigenen beruflichen Gestaltungsprozesses macht.

Das Schul-Umwelt-Zentrum Mitte e.V., sein Förderverein und das dazugehörende Netzwerk (zu dem u.a. auch die TU Berlin, Fachbereich Arbeitslehre, das Peter-Lenne-OSZ Berlin, vielfältige Kontakte in Schulen und Familienzentren zählen) leisten mit ihrem Kursangebot einen Beitrag zur Schnittstelle zwischen Schule und Beruf.

s.a. unter Krawczik, Dagmar: Ausbildungsreife – eine sich wandelnde Herausforderung

Verlinkung:
-> VI.4.1.1 Ausbildungsreife und Ausbildungsbereitschaft Beitrag SUZ

B. Gesellschaftspolitische Fragestellungen einer zukunftsorientierten Gärtnerausbildung

B. 1. Duales Lernen in der Sekundarschule, Berufsorientierung und Nachwuchswerbung
Junge Menschen in ihren Entscheidungsprozessen hin zur Berufswahl zu begleiten und zu unterstützen, erfordert vielfältige und sich ergänzende Strategien. Es braucht ein Netzwerk an der Schnittstelle Schule-Beruf mit Akteuren, die sich in ihrem Engagement aufeinander beziehen und einen echten Synergieeffekt herstellen.

Grüne Lernorte sind für schulische und außerschulische Bildung gleichermaßen geeignet und bilden eine bedeutsame Schnittstelle zwischen formalem und non formalem Lernen. Sie können auch eine geeignete Brücke zwischen Schule und Beruf sein. Die Tradition der Gartenarbeitsschulen bietet der grünen Branche aufschlussreiche Anknüpfungspunkte und vielfältige Möglichkeiten, an der Schnittstelle zwischen Schule und Beruf pädagogisch-didaktisch und kreativ tätig zu sein.

Für Lehrerinnen und Lehrer des Faches Wirtschaft-Arbeit-Technik bietet der Lernort Gartenarbeitsschule eine Vielzahl von inhaltlichen und fachbezogenen Anknüpfungsmöglichkeiten, mit denen diese ihren Schülern konkret, schülerzentriert und in der praktischen Arbeit fachrelevante Inhalte vermitteln können. Für das Fach Wirtschaft-Arbeit-Technik ist die Gartenarbeitsschule als Lernort prädestiniert, noch immer jedoch zu wenig bekannt und in Folge dessen noch zu wenig genutzt.

Außerschulische Bildung trägt in einem hohen und unverzichtbaren Maße zur Berufsorientierung und Erlangung der Ausbildungsreife und Berufsreife bei. Für die Ausbildung einer eigenständigen, selbstbewussten und reifen Persönlichkeit mit sozialen, kommunikativen und – in einer zunehmend globalisierten und interdependenten Welt – interkulturellen Kompetenzen sind nicht formales und informelles Lernen von entscheidender Bedeutung.

Ausführliche Artikel zu den genannten Punkten s.a. unter:

  • Prof. Simone Knab: Die Gartenarbeitsschule als außeruniversitärer Lernort für die Ausbildung von Lehrern im Fach Wirtschaft-Arbeit-Technik.
  • Selle, Karin: Lehrerfortbildungen und Unterrichtsentwicklung am SUZ-Mitte
  • Krawczik, Dagmar: Die Vielfalt Grüner Lernorte für Berufsorientierung und Nachwuchswerbung nutzen

Verlinkung:
-> VI.4.2.1 Duales Lernen in der Sekundarschule... SUZ

B.2. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), Fragen der Ökologie, Klimawandel und Biodiversität
Grundsätzlich ist bei SchülerInnen und Auszubildenden ein großes Interesse für Fragen des gesellschaftlichen Dialogs festzustellen. Der Wunsch, sich für den Erhalt der Umwelt zu engagieren, auch differenzierten Fragen nachzugehen ist oft deutlich. Gleichzeitig wird wahrgenommen, dass in der formalen Bildung wenig Zeit dafür ist. Umso wichtiger ist es, in Schulen und in der Berufsausbildung Anreize und Räume zu bieten, in denen die jungen Menschen auf diesen Gebieten sowohl Selbstwirksamkeit erfahren können.

s.a. unter

  • Nowikow, Ulrich: BNE – Fragen zu Klimawandel und Biodiversität an der Schnittstelle Schule-Beruf
  • Axnick, Anni; Krawczik, Dagmar: Schülerbefragung zu den Begriffen Ökologie, Klimawandel, Biodiversität

Verlinkung:
-> VI.4.2.2 BNE, Ökologie...SUZ

B.3. Auswirkung neuer Formen der Gartenkultur
Die neuen Formen der Gartenkultur und die formalen Inhalte der Berufsbildung können gegenseitig befruchtend und anregend wirken. Handlungsorientierung und Partizipation haben hier die Chance praxis- und realitätsnah in Projekten erprobt zu werden. Sowohl Öffentlichkeitswirksamkeit der Ausbildungseinrichtungen als auch Übertragbarkeit von praktischen Leitfäden aus urban gardening-Projekten in verschiedene Ausbildungsgänge bieten Synergieeffekte.

s.a. unter IX.2.3

Klaus Pellmann, OStR, Peter-Lenné-Schule/OSZ Agrarwirtschaft:
Wassermanagement in Urban Gardening Projekten

Verlinkung:
-> VI.4.2.3 Auswirkungen neuer Formen der Gartenkultur SUZ