Einleitung
Das Projekt duale Berufsbildung in Schule und Beruf war für das Bildungszentrum Gärtner (BZG) eine lehrreiche Erfahrung. Wir konnten für uns einige wertvolle Ansätze für die Umsetzung der Kurse und die Arbeit am BZG mitnehmen, die nachfolgend beschrieben sind. Es gibt aber auch kritische Punkte die, aus der Sicht des BZG, das Projekt behinderten.

Die Zusammensetzung und Herkunft der verschiedenen Partner kann sehr bereichernd sein. Bei diesem Projekt waren die Interessen und die Herkunft der Partner aber zu weit auseinander und behinderten die Arbeit und das Erarbeiten der Produkte immer wieder. Dies wirkt sich auf die Qualität der Ergebnisse aus.

Bei der Formulierung des Projektantrages wurden aus unserer Sicht die Ziele und Produkte des Projektes zu wenig genau definiert. Fragen wie, welche Bedürfnisse und welchen Nutzen haben wir, für was und wie wollen wir die erarbeiteten Produkte und Ergebnisse verwenden, welche Wirksamkeit wollen wir erzielen, wurden zu Beginn des Projektes zu wenig gestellt.

Wir können uns für die Zukunft durchaus eine weitere Zusammenarbeit oder ein neues Projekt vorstellen. Voraussetzung dafür ist aber, eine genauere Definition der Ziele, deren Wirksamkeit in der täglichen Arbeit zum Tragen kommt und den Nutzen für alle beteiligten Partner.

Für die gute Zusammenarbeit und die wertvollen Inputs der beteiligten Projektpartner möchten wir uns herzlich bedanken.

Bildungszentrum Gärtner JardinSuisse Zürich

A) Duales Berufsbildungssystem

1. Ausbildungsreife der Auszubildenden, Ausbildungsbereitschaft der Betriebe
Insgesamt legen die Unternehmen der grünen Branche in der Schweiz den Fokus wieder verstärkt auf die Fragen der Ausbildungschancen um damit Bewerbern, die zunehmend als ungeeignet oder nicht ausbildungsreif deklariert werden, doch eine Option in den Ausbildungsbetrieben zu eröffnen.

Diese Fokussierung hat zwei Gründe: Erstens haben wir im Moment rückläufige Lehrlingszahlen in der Schweiz. Zweitens wählen immer mehr Schulabgänger, über die Matura, eine akademische Ausbildung. Dies führt zum einen dazu, dass sich in der Berufsbildung mehr schwächere Schüler um eine Lehrstelle bemühen und zum andern sind es zusätzlich weniger Lernende die eine Berufslehre absolvieren wollen. Gerade in den Kleinbetrieben (80% der Betriebe in der grünen Branche) ist die Ausbil-dungsbereitschaft sehr hoch, aber es wird zunehmend schwieriger diese Ausbildungs-plätze zu besetzen.

Um auch stärkere Schüler ansprechen zu können, wäre es nötig die höheren Berufsbil-dungen (HHB) aufzuwerten, um den Schülern das Potential der dualen Berufsbildung aufzeigen zu können. Es geht um die Titelaufwertungen wie zum Beispiel die Einführung der Bezeichnungen Professional Bachelor und Professional Master als übergeordnete Titel für alle HBB gültigen Titel, als Zusatz zu den bisherigen deutschen Diplombezeichnungen.

Diese Gleichwertigkeit der Titel für die Absolventen von höheren Berufsbildungen wird insbesondere immer wichtiger, da im Zusammenhang mit der Personenfreizügigkeit ge-rade ausländische Kadermitarbeiter unser Bildungssystem zu wenig kennen und so bei Personalrekrutierungen vermehrt Bewerber mit Fachhochschulabschlüssen auswählen, obwohl ein Abgänger der höheren Berufsbildung gleiche Qualitäten und fundierte Erfah-rung vorzuweisen hat.

2. Ausbildungsordnung – Systematik, Vergleichbarkeit und Anrechenbarkeit von Bildungsabschlüssen (EQR)
Im Gegensatz zu den anderen beteiligten Schulen an diesem Projekt, hat in der Schweiz der Arbeitgeberverband der grünen Branche (JardinSuisse) einen hohen Stellenwert und ist das wichtigste Organ bei der Erarbeitung der Bildungspläne. Diese müssen auf das Berufsbildungsgesetz abgestützt sein.

Dies hat den Vorteil, dass in der ganzen Schweiz die Lerninhalte auf der Basis des Bil-dungsplanes gleich vermittelt werden.
Die Bildungszentren in den üK beurteilen alle Lernenden mit dem gleichen Beurteilungs-raster, welcher auf den EQR abgestützt ist.
Der EQR verwendet acht auf Lernergebnissen basierenden Referenzniveaus, die als Fachkenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen definiert werden.

Jede der am Projekt beteiligten Schulen hat die Lerninhalte gemäss ihrem zu verwen-denden Bildungsplan definiert. Dadurch können Ausbildungsinhalte und deren Schwer-punkte sehr stark variieren. Die erreichten Lernergebnisse kann man in einem Refe-renzniveau des EQR ausdrücken, die Vergleichbarkeit des Bildungsabschlusses unter den einzelnen Ländern wird aber schwierig, da die Lerninhalte nicht gleich sind.

Da im Zusammenhang mit dem EQR eine Kompetenz im Sinne der Übernahme von Verantwortung und Selbständigkeit beschrieben wird, sollten Bildungsabschlüsse der gleichen Niveaustufe angerechnet werden. Auf Grund des erreichten Niveaus kann da-von ausgegangen werden, dass eine Person dies auch in einer anderen Situation anwenden kann. Zumal diese Anforderung an den Mitarbeiter innerhalb des Betriebes auf Grund von sich verändernden Marktsituationen immer wieder verlangt wird.

3. Strukturierte Berufsbildung im Sinne von lebensbegleitendem Lernen
Die Rahmenbedingungen am Markt verändern sich mit immer grösserer Geschwindigkeit und mit dem Erreichen eines Fähigkeitszeugnisses als Erstabschluss, ist die Ausbildung nicht abgeschlossen. Damit Unternehmen am Markt bestehen können, verlangen sie von den Mitarbeitenden immer schneller und immer mehr neue Fachkompetenzen. Es geht darum Forderungen aus der Gesellschaft oder Veränderungen durch neue Rahmenbedingungen abzudecken. Die Bildung wirkt als zentraler Motor und hat die Möglichkeit der Gesellschaft aufzuzei-gen, wer als Branche die nötige Handlungskompetenz hat um die georderten Aufgaben zu bewältigen. Im Bereich lebenslanges Lernen konnten wir aus den Mobilitäten von Leonardo da Vinci sehr viel profitieren, da aus allen Länder sehr viele Erfahrungen zusammen kamen, wie man auf veränderte Rahmenbedingungen und Trends als Bildungsinstitution reagiert.

B) Gesellschaftspolitische Fragestellungen einer zukunftsorientierten Gärtnerausbildung

1. Duales Lernen in der Sekundarschule, Berufsorientierung und Nachwuchswer-bung (Fachkräftesicherung)
Nur wenn der Ausbildungsbetrieb als Unternehmung wirtschaftlich erfolgreich am Markt agieren kann und Nachwuchs bekommt, welcher marktorientiert ausgebildet wird, ist er auch bereit Ausbildungsplätze zu schaffen. Dies wiederum verlangt von den Berufsfa-chulen und den überbetrieblichen Bildungszentren, sich bei der Weiterentwicklung stetig am Markt zu orientieren, um mit innovativen Lösungsansätzen den Beruf der Gärtne-rin/des Gärtners nachhaltig als Fachmann für das Bauen und Pflegen von Grünflächen in der Gesellschaft verankern zu können. Handwerkliche Berufe sind attraktiv – nur wissen es zu wenige. Wir müssen deshalb al-les daran setzen, die attraktiven Berufslehren in der grünen Branche bekannter zu ma-chen. Das duale Berufsbildungssystem ist ein Erfolgsmodell, das wir weiter fördern wol-len. Qualitätsdenken muss unser oberstes Ziel sein, damit die Fachleute aus handwerklichen Berufen, insbesondere die Gärtner und die Gärtnerinnen, als topausgebildete Fachkräfte positiv in die Gesellschaft ausstrahlen und wir auch in Zukunft gute Schulabgänger bei-den Geschlechts dazu bewegen können, eine Berufslehre als Gärtner oder Gärtnerin zu beginnen.

2. Bildung für nachhaltige Entwicklung Fragen der Ökologie, Klimawandel, Biodiversität
BNE ist in den Gesetzen und Verordnungen in der Schweiz gut verankert und wurde auch in der Bildungsverordnung und dem Bildungsplan der grünen Branche aufgenommen.

BNE ist in der Ausbildung integriert, nur ist dies noch zu wenigen bewusst, welche Aus-wirkungen BNE auf die Grüne Branche hat.

Gesellschaftspolitisch findet ein Paradigmenwechsel statt, welcher die grüne Branche als Chance nutzen kann. Handlungsorientierte Synonyme für Nachhaltigkeit fördern das verbesserte Verstehen der nachhaltigen Entwicklung, welches sich durch Themen die der Gesellschaft wichtig sind, wiederspiegelt:

  • Ressourcenschutz ist ein alltägliches Thema
  • Die Raumplanung setzt bewusst auf Landschaftsschutz durch weniger Zersiedelung und verdichtete Bauweise
  • Die Gesellschaft ist hoch sensibilisiert zum Thema nachhaltige Entwicklung
  • Öffentliches grün und Parks werden immer wichtiger als Naherholungsgebiete
  • •Neue Formen der Gartenkultur, wie urbaner Gartenbau, die die Nachhaltigkeit fördern sind im Trend

3. Auswirkung neuer Formen der Gartenkultur auf die Berufsbildung, z.B. urbaner Gartenbau, Naturwahrnehmung
Die Diskussionen um Klimawandel, Biodiversität und nachhaltige Entwicklung zeigen die Brisanz des Themas: Wie viel Natur und welche Natur brauchen wir um in Zukunft le-bensfähig, gesund und vielleicht auch glücklich sein zu können. Die gesellschaftlichen Ansprüche an Naherholungsgebiete und Grünflächen werden, im Zusammenhang mit der immer grösseren Verdichtung der Siedlungsgebiete, immer grösser und komplexer. Auf Grund dieser Tatsache und der Bedürfnisse der Menschen innerhalb dieser Syste-me entstehen neue Trends, wie zum Beispiel Urbaner Gartenbau. Diese Trends gilt es genau im Auge zu behalten und zu beobachten, damit keine Fehlentwicklungen entste-hen und die Grüne Branche plötzlich abseits seht, oder ihr mangelnde Kenntnisse ade-stiert werden. Ein typisches Beispiel dafür ist ein Urban Gardening Projekt in Berlin. Mit viel Engagement haben ein Gruppe von Berlinern und Berlinerinnen einen Garten als Urban Gardening Projekt mitten in Berlin aufgebaut. Der Garten wird von der Bevölke-rung rege benutzt und als Bereicherung für die Stadt angesehen. Den Initianten wird aus der Bevölkerung unter diesen Voraussetzung auch die grüne Kompetenz zugesprochen, zumal sie auch diverse produzierte Pflanzen (vor allem Stauden) und Gemüse verkaufen. Bei der Besichtigung des Gartens stellt man mit grossem Schrecken fest, dass viel fachliches Wissen und vor allem der nachhaltige Umgang mit Grünflächen gänzlich fehlen. Geradezu schockierend ist die Tatsache, dass auf dem Gelände ca. acht Invasive Neophyten vorhanden sind und der Japanische Staudenknöterich sogar produziert und zum Verkauf angeboten wird.

Bei solchen Missständen herrscht dringendster Handlungsbedarf, da sich die Gesell-schaft bei der Meinungsbildung an solchen Projekten orientiert. Umso mehr ist es die Aufgabe der Grünen Branche neue Themen und Trends mitzube-stimmen damit keine negativen und falschen Aussagen und Anschuldigungen auf die Branche zurückfallen.

 

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