Statement Gartenbauschule Langenlois

Einleitung
Die Gartenbauschule Langenlois liegt im malerischen Kamptal etwa 10 km vom Weltkulturerbe Wachau/ Donau.

Es werden produzierende Gärtner, Gartengestalter und Floristen über die Fachschule oder die Berufsschule ausgebildet. Nach dem Facharbeiter können die jungen Menschen in einem Aufbaulehrgang die Studienberechtigung (Reifezeugnis, Matura) erlangen. Meisterschule oder Meisterkurse ermöglichen das Antreten zur Prüfung für den Meister im Gartenbau, in der Gartengestaltung oder der Floristik.

Sehr viel Wert wird auf eine Praxis orientierte Ausbildung gelegt. Dafür stehen eine Gärtnerei mit Gewächshäusern für Baumschule, Gemüsebau und Zierpflanzenbau zur Verfügung. Für die Praxis in der Gartengestaltung gibt es einen kleinen Lehrbauhof mit einem angeschlossenen Schaugarten. Hier kann auch im Winter in einer Halle geübt werden. Die Floristen arbeiten in großzügigen Praxisräumen. Ausstellungsräume ermöglichen die Präsentation ihrer fertigen Werkstücke.

Ziele für den Standort
Wir arbeiten nach dem Motto „Die Natur in Händen" und sind uns unserer Verantwortung gegenüber unserer Umwelt bewusst. Daher sind wir schon einige Jahre eine Ökologschule. Der Schaugarten wird nach den ökologischen Grundsätzen von „Natur im Garten" gepflegt und hat uns schon 2 mal eine Auszeichnung, den „goldenen Igel" eingebracht. Seit fast 10 Jahren wird Gemüse nur als Biogemüse produziert.

Diesen eingeschlagenen Weg wollen wir fortsetzen und auch in anderen Bereichen verstärkt nach ökologischen Prinzipien produzieren, arbeiten und das entsprechende Wissen an unsere Schüler/Innen weitergeben. Die bevorstehende Generalsanierung des Schulgebäudes und die Verlegung der Berufsschule der Gartengestalter nach Langenlois bringt uns dem großen Ziel näher, das Bildungszentrum für den Gartenbau in Niederösterreich zu sein. Eine große Herausforderung ist die Implementierung des Kompetenz orientierten Unterrichts in den Schulalltag.

Einfluss des Projektes
Schule muss sich laufend entwickeln. Da war es sehr interessant, wie andere Schulen die Gärtnerausbildung gestalten und wie sie mit den Herausforderungen in der Pädagogik umgehen. Auch fachliche Unterschiede lassen den eigenen Unterricht aus anderen Perspektiven betrachten und finden Eingang in der Erstellung neuer Lehrpläne.

Diese Erfahrungen erleichtern im eigenen Bereich die Schwachstellen zu erkennen und befähigt zu einer verbesserten Kompetenz der Entwicklung von Zukunft-Strategien.

Eine weitere Zusammenarbeit mit den Projektpartnern ist wünschenswert. Verstärkt möchten wir auf Schüler- und Lehrer-Austausch setzen und so mehr konkrete Erfahrungen über den Ablauf der Ausbildung in den Partner-Institutionen bekommen.

Die Zusammenarbeit war konstruktiv und bereichernd. Viele neue Ideen sind entstanden, die bei der Umsetzung von Schulentwicklung zum Tragen kommen. Die unterschiedlichen gesetzlichen Vorgaben sind dabei ein wesentlicher begrenzender Faktor. In der Schweiz und Berlin wurden wir freundschaftlich aufgenommen und bekamen einen guten Einblick in die Standortbedingungen der einzelnen Länder. Der französische Partner berichtete uns ausführlich über das Ausbildungssystem bei den Projekt-Treffen in Österreich und der Schweiz. Unterstützung gab es auch von den stillen Projektpartnern des eigenen Landes.

Herzlichen Dank!

A) Duales Berufsbildungssystem

1. Ausbildungsreife der Auszubildenden, Ausbildungsbereitschaft der Betriebe
Insgesamt ist in Niederösterreich zu beobachten, dass die Anzahl der landwirtschaftlichen Gartenbaubetriebe zurückgeht. Die Betriebsübernahme durch die nächste Generation findet immer weniger statt. Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe ist abhängig von dem Angebot an Lehrstellensuchenden. Die Betriebe tun sich schwer, Lehrlinge zu finden, die ihrem Anforderungsprofil entsprechen. Geringe Kenntnisse in den schulischen Grundfertigkeiten wie Schreiben, Rechnen, Lesen und mangelnde Umgangsformen sind oft der Grund, dass keine geeigneten Lehrlinge gefunden werden. Dieser mangelnden Ausbildungsreife vieler Bewerber steht ein erhöhtes Interesse von Maturanten oder Schulabbrechern höherer Schulen an einer gärtnerischen Ausbildung gegenüber. Diese sind meist höchst motiviert, werden von den Betrieben gerne genommen und haben meist sehr gute Abschlüsse. Jugendliche mit geringer Ausbildungsreife bekommen in außerbetrieblichen Lehrwerkstätten die Möglichkeit einen Beruf zu erlernen oder auch in Betrieben mit einer verlängerten Lehre eine integrative Ausbildung zu machen. Die Chance, nach erfolgreicher Ausbildung von Betrieben übernommen zu werden, sind wenig rosig einzuschätzen. Das führt wiederum zu einer besonders hohen Drop-Out Rate. Begabte und lernbereite Jugendliche können mit einem zusätzlichen Jahr durch eine Reifeprüfung die Studienberechtigung erlangen, so dass die duale Ausbildung keine Einbahnstraße ist. Ein höher wertiger fachlicher Abschluss ist die Ausbildung zum Meister. Die Frage der Vergleichbarkeit mit einem Bachelor im Rahmen des EQR Rahmens wird auch in Österreich diskutiert.

2. Ausbildungsordnung- Systematik, Vergleichbarkeit und Anrechenbarkeit von Bildungsabschlüsse (EQR)
In Österreich ist die Berufsausbildung Ländersache. Die Lehrlingsstellen erarbeiten gemeinsam mit dem Berufsstand die Ausbildungsverordnung. Diese sind dann wieder Grundlage der Lehrpläne der Berufsschule und der Ausbildungsinhalte der Betriebe. Die Lehrpläne werden in Landesgesetzen festgelegt. In den letzten Jahren kommt es verstärkt zu einer Länder übergreifenden Ausarbeitung. So wurden für Berufsschulen und Fachschulen des Gartenbaus Bundesrahmenpläne erstellt, die den Ländern allerdings einen gewissen Spielraum ermöglichen. Neue Lehrpläne werden nach einem gemeinsamen Kompetenzraster erstellt, um die Vergleichbarkeit der Ausbildungen nach EQR zu ermöglichen. Die komplette Umsetzung dieser Beurteilungsraster ist in der Praxis noch nicht angekommen. Hier ist noch einiges zu entwickeln. Aus unserer Sicht ist dies ein wesentliches Ziel dieses EU Projektes, den Weg dorthin aufzuzeigen.

3. Strukturierte Berufsbildung im Sinne von lebensbegleitendem Lernen
Die duale Ausbildung durch die Lehre ist gut geeignet als Qualifikation für einen Berufsabschluss. Dieser stellt die Grundlage eines Berufslebens dar. Um zu einem echten Profi heranzureifen, ist fortwährende Weiterbildung Voraussetzung. Dies kann sowohl durch Erfahrung, Kurse, Höherqualifizierung oder Selbststudium erfolgen. Wer im Erwerbsleben bestehen will, braucht eine hohe Ausbildungsbereitschaft. Gerade in der gärtnerischen Produktion geht die technische Entwicklung mit Riesenschritten weiter. In vielen Bereichen gibt es einen ständigen Wandel im Pflanzensortiment. Um als Betrieb wirtschaftlich Erfolg zu haben, muss kostendeckend produziert werden, was die Kunden suchen. Hier haben auch wir als Bildungsinstitution ein vielfältiges Aufgabengebiet. Bei den Besuchen der europäischen Partner unseres Projektes war einiges an Anregungen zu holen.

B) Gesellschaftspolitische Fragestellungen einer zukunftsorientierten Gärtnerausbildung

1. Duales Lernen in der Sekundarschule, Berufsorientierung und Nachwuchswerbung (Fachkräftesicherung)
Für den Fachkräftemangel in den handwerklich orientierten Berufen gibt es zwei Gründe. Zum einen gibt es durch die demografische Entwicklung weniger Jugendliche am Arbeitsmarkt. Zum anderen ist das Ziel vieler Eltern und vieler Jugendlicher der Erwerb der Matura (Reifprüfung, Abitur) mit anschließendem Studium. Trotz einer zurückgehenden Geburtenrate quellen die höheren Schulen und Studiengänge über. Vielerorts kommt es in verschiedensten Studiengängen zu einer Aufnahmeprüfung, um die Ströme der Studienwilligen an die vorhandenen Studienplätze anzupassen. Nach dem Studium gestaltet sich die Suche nach einer adäquaten Arbeitsstelle oft als schwierig. Der Wert der Matura ist durch diese Entwicklung gesunken. Das Paradoxon, auf der einen Seite Fachkräfte Mangel und auf der anderen Seite zu wenig Studienplätze, zeigt, dass unsere Gesellschaft im Umbruch ist. Gerade Jugendliche mit einer fehlenden Ausbildungsreife treten verstärkt eine Lehre an. Das Ansehen des Facharbeiters, des Gärtners in der Gesellschaft, wird dadurch zusätzlich geschädigt. Die Wirtschaft versucht den Wert einer Facharbeiter-Ausbildung zu heben indem der Slogan Lehre mit Matura zeigt, dass auch die duale Ausbildung eine Höherqualifizierung ermöglicht. Die Implementierung von EQR in die Ausbildungspläne und die höhere Anerkennung praktischer Arbeit kann ein Umdenken fördern. Für viele ist der Garten das liebste Hobby. Dies sollte genutzt werden, um dem Beruf Gärtner mit all seinen Facetten mehr Anerkennung zu verschaffen. Das heißt aber auch, dass die Qualität der Ausbildung hoch gehalten werden muss. Da stehen wir als Bildungseinrichtung, die mit nachlassender Ausbildungsreife zu kämpfen hat, vor einer hohen Herausforderung. In unserem Projekt wurde deutlich, dass die Probleme überall ähnlich sind. Sehr gut hat mir gefallen, dass für Jugendliche mit geringerer Ausbildungsreife klar strukturierte andere Ausbildungsstufen wie Fachwerker oder eine zweijährige Lehre mit mehr praktischen Inhalten angeboten werden. Die Frage der Einordnung in die Lohntabellen dieser geringer qualifizierten Arbeitnehmer dürfte in allen Partnerländern noch zu klären sein.

2. Bildung für nachhaltige Entwicklung, Fragen der Ökologie, Klimawandel, Biodiversität
Gerade Niederösterreich mit seinem „Natur im Garten" Projekt und „der GartenTulln" als Gartenschau, die nach ökologischen Gesichtspunkten gepflegt werden, versucht sich in Sachen Nachhaltigkeit im Garten zu positionieren. Hier wird gesellschaftspolitische Erziehungsarbeit geleistet. Viele private Gärtner haben sich dieser Aktion angeschlossen und sich die Garten- Plakette mit dem Igel geholt. Partnerbetriebe dieser Aktion müssen sich im Wesentlichen auch an die Vorgaben halten. In der Ausbildung finden Fragen der Ökologie als Unterrichtsprinzip Berücksichtigung. Die gärtnerische Pflanzenproduktion steht allerdings immer im Kreuzfeuer von Ökologie und Ökonomie. Vordringlich geht es um Bewusstseinsbildung und Erkennen der Zusammenhänge zwischen dem Tun und den Auswirkungen auf Biodiversität und Klima, so dass der ausgebildete Gärtner zu verantwortungsvollem Handeln angeleitet wird. Diese Themen werden bei den Projektpartnern mit unterschiedlicher Intensität aufgearbeitet. Auch hier konnte man einiges voneinander lernen.

3. Auswirkungen neuer Formen der Gartenkultur auf die Berufsbildung, z.B. urbaner Gartenbau, Naturwahrnehmung
Das Phänomen „Urban Gardening" ist auch in Österreich angekommen. Wien ist hier das richtige Pflaster. Die Initiative, das Thema aufzugreifen, geht zur Zeit in Wien eher von gartenbaulichen Institutionen aus. So gibt es auf dem Gelände der Gartenbauschule Schönbrunn einen Verein mit dem Ziel, Kindern zu zeigen, das Gärtnern auf kleinstem Raum in der Stadt möglich ist. Viele Kinder bekommen hier intensiven Naturkontakt und lernen, dass das Essen auf dem Teller nicht nur aus dem Supermarkt kommt. www.cityfarm.at Eine andere Aktion wird von der Universität für Bodenkultur wissenschaftlich begleitet und befindet sich mitten in der Stadt. www.karlsgarten.at/. Da wird man sehen, wie es sich entwickelt. Auch in den weniger urbanen Gemeinden Niederösterreichs blühen auf Balkonien wieder Paradeiser und Ko. Die Gartenbauschule Langenlois verwendet den Schulgarten, um Kindergarten und Volksschulkindern Natur und Garten näher zu bringen. Diese Aktion wird gerne in Anspruch genommen. Die allgemeine Sensibilisierung führt dazu, dass das Interesse an einem Gemüsegarten wieder gestiegen ist. Dabei spielt sicher auch die starke Verunsicherung der Konsumenten gegenüber Lebensmitteln aus dem Supermarkt und deren Herkunft eine große Rolle. Für die Ausbildung heißt das, dass dieses eigentlich alte Thema wieder verstärkt aufgegriffen werden sollte. Bei den Besichtigungen der Anlagen in Berlin kamen Zweifel, ob das eine tragfähige Zukunft sein kann oder ob es eine Modeerscheinung ist, die wieder verschwindet. Die fachlich kompetente Begleitung dieser urbanen Projekte ist wichtig und entscheidend für den Erfolg. Bei unseren Diskussionen kamen wir auch immer wieder auf das Thema der invasiven Neophyten. Beim Studium der von der EU erstellten und auch in Österreich weitestgehend übernommenen Liste findet man einige Gartenpflanzen. www.umweltbundesamt.at/aliens/ Einige davon finden gerne Verwendung als Nahrungspflanzen.(z.B. Topinambur). Wegen ihrem hohen Allergie-Potential werden Ragweed/Ambrosia artemisiifolia und der Riesen-Bärenklau/ Heracleum mantegazzianum als besonders gefährlich eingestuft. Diesem Thema ist in der Ausbildung im Gartenbau sicher genügend Raum zu geben. Diese Erkenntnis ist ein weiteres Ergebnis unseres Projektes.

 

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